Lehde-Wanderweg, Rundwanderung durch das Spreewalddorf

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Kultur und Natur pur: Rundwanderung durch das Spreewalddorf Lehde

von Christiane Kürschner

Theodor Fontane nannte es das „Venedig im Kleinen“, als er das Dörfchen Lehde während seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg entdeckte. In der Spreewald-Region kann man sich zu Fuß, mit dem Rad oder per Kahn fortbewegen. Wer einen schönen Spaziergang im Grünen mit einem Einblick in die Geschichte und Tradition des Spreewalds verbinden möchte, kann das bei einem Besuch des Dorfes Lehde. Auf einem gut ausgebauten Rundwanderweg sieht man traditionelles Leben und kann sich im Herzen des Biosphärenreservats Spreewald erholen und neue Kraft schöpfen.

Start in der Altstadt von Lübbenau

Die Wanderung kann an jedem beliebigen Ort in der Altstadt von Lübbenau beginnen. Ein guter Punkt zur Orientierung ist der Große Spreewaldhafen. Der Rundwanderweg, der größtenteils durch waldiges Gebiet auf sehr gut ausgebauten Wegen verläuft, hat eine Länge von circa fünf Kilometern.

Den verlängerten Spaziergang kann man mit einem Besuch des Schlossbezirks verbinden. Von hier aus verlässt man im Sommer das geschäftige Treiben der Stadt. Bald kommt man an großen weiten Wiesen vorbei, auf denen man im späten Sommer die traditionellen Heuschober sehen kann. Dass man sich im Spreewald befindet, merkt man hier nicht so sehr, denn der Wanderweg führt nicht am Wasser entlang.

Nach einem kurzweiligen Spaziergang erreicht man das Dorf Lehde. Unterwegs findet man zum Ende des Sommers eine Fülle an blühenden wilden Orchideen, die nachempfinden lassen, was Fontane bereits vor mehr als einem Jahrhundert begeisterte. Auch Störche kann man hier sehr gut auf den Feldern beobachten, wenn man zur richtigen Tageszeit unterwegs ist.

Unter Denkmalschutz: Spreewald-Dorf Lehde

Das ehemals sorbische Dorf ist ein Inseldorf mit vielen verschiedenen Kaupen (kleine Inseln). Heute wohnen in dem denkmalgeschützten Ort nur noch ungefähr 150 Menschen, die vornehmlich vom Tourismus leben. Hier befindet man sich im historischen Kern des Spreewalds und es lassen sich von hier aus Kahnfahrten unternehmen oder durch ruhige Seitenarme paddeln. Die ortskundigen Kahnfahrer wissen viele Geschichten über ihre Heimat zu erzählen. Kaum vorstellbar ist es, dass Lehde die längste Zeit nur mit dem Kahn zu erreichen war und heute noch sowohl die Postzustellung als auch die Müllabfuhr über das Wasser abgewickelt wird.

Im Dorf Lehde gibt es viele Möglichkeiten, sich mit Getränken zu versorgen oder einen Imbiss einzunehmen. Ein großes Verweisschild am Ortseingang eröffnet mehrere Wege. Wer von hier aus mit dem Kahn weitermöchte, wählt den rechten Weg. Wer sich zuerst das Gurkenmuseum anschauen möchte, wählt den linken Weg.

Im provisorisch erstellen Gurkenmuseum findet man viele Gegenstände des täglichen Lebens von vor 100 Jahren, jedoch fehlen hier leider sämtliche erklärenden Schilder. Was es zu entdecken gibt, ist aber eine große Tafel mit allen Gurkenköniginnen der letzten Jahre.

Das Leben vor 100 Jahren im Spreewald: Freilichtmuseum Lehde

Nach einer Stärkung kann man nun in das Getummel eintauchen. Bleibt man nämlich auf dem Hauptweg, der Dorfstraße, kommt man direkt auf den Lehder Hauptkanal zu. Hier kann man Spreewälder Souvenirs wie Töpferkunst erstehen und das Freilichtmuseum Lehde besuchen.

Das Spreewaldmuseum in Lehde besteht aus drei für die Region typischen Hofanlagen: dem Haufenhof Lehde, ein Hof aus der Burger Gegend sowie ein Hof aus dem Spreerandgebiet. Hier kann man die Geschichte des Spreewalds wortwörtlich begehen und erfahren und vor allem das tägliche Leben auf einem typischen Hof des 19. Jahrhunderts erleben.

Das Museum existiert seit 1975. Ab 1955 hatte man ein altes Haus gegenüber dem Gasthaus „Zum fröhlichen Hecht“, das noch heute besteht, ausgebaut. Beim Spaziergang durch das Freilichtmuseum kann man traditionelle Handwerksgeräte, Korbflechterei, Rohrdachdeckerei, Töpfereierzeugnisse, Erzeugnisse des Blaudrucks, die Geschichte der Spreewaldfischerei und einen Heilpflanzen- und Kräutergarten entdecken. Die Höfe sind auch von innen begehbar und viele Geräte können ausprobiert werden, so dass auch Kinder hier ihren Spaß finden. Sehr eindrucksvoll sind die Themengebiete des traditionellen Kahnbaues und die Geschichte des Meerrettich-Anbaus. Beide Geschäftszweige wurden von der Lübbenauer Familie Koal beherrscht; die Kahnbaukunst und das Verarbeiten von Meerrettich hat sie noch heute im Griff.

In der alten Kahnbauwerkstatt wird die Herstellung des Transportmittels greifbar nahe. Die Lehder Bevölkerung lebte lange Zeit vom Fischfang, noch heute haben einige Familien das Fangrecht. Wenn man auf dem Wasser durch Lehde fährt, kann man oft Fischkästen in Ufernähe sehen. Eine andere Einkommensquelle waren die berühmten Spreewälder Gurken, aber auch Zwiebeln, Kürbisse, Rüben und Kartoffeln. Heute erfreut sich auch das Spreewälder Leinöl größter Beliebtheit.

Weitere Ausflugsziele: Wotschofska und Leipe

Wer genug Zeit hat, kann von hier aus einen Ausflug zu der Insel Wotschofska mit der gleichnamigen Gaststätte machen. Vor allem in Kriegszeiten haben Einwohner hier Zuflucht gesucht; die Insel wurde nie eingenommen. Heute ist die Wotschofska ein Baudenkmal und Ausflugsziel. Hier verlässt man jedoch den Rundweg in Richtung Norden. 

Wer noch mehr ursprüngliches Dorfleben spüren und ein wenig mehr wandern möchte, kann hier den Weg in das Spreewalddorf Leipe einschlagen. Der Wanderweg nach Leipe ist doppelt so lang wie der Lehder Rundweg, aber trotzdem ohne Anstrengung an einem halben Tag zu schaffen.

Wer weiter auf dem Rundwanderweg gehen möchte, kann hier nun den Schildern Richtung Lübbenau folgen. Über den Weg „Am neuen Fließ“ und anschließend dem Leiper Weg geht es nun wieder auf ruhigen Waldwegen zurück nach Lübbenau. Auch in Hochzeiten begegnet man hier nur wenigen Menschen. Es lohnt sich die Augen zu schließen und den Geräuschen des uralten Waldes zu lauschen.

Pluspunkte

Man kann eine ganze Wanderwoche in der Spreewald-Region verbringen und sich jeden Tag eine andere kurze Strecke vornehmen. Vor allem für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, aber gern etwas sehen wollen, sind die kurzen Wanderrouten und Rundwege optimal.

Nützliche Informationen

An- und Abreise

Als Ausgangspunkt empfiehlt sich die Spreewald-Stadt Lübbenau. Nach Lübbenau fährt ein RE vom Berliner Hauptbahnhof, so dass man in weniger als anderthalb Stunden vor Ort ist. Mit dem Fahrrad kommt man über den Spree-Radweg und Gurkenradweg nach Lübbenau.

Unterkunft & Essen



Essen kann man in der Wotschofska vom 1. April bis 31. Oktober, die 
täglich ab 09.00 Uhr geöffnet hat. In der Altstadt von Lübbenau empfiehlt sich der Besuch des „Café Fontane“, Ehm-Welk-Straße 42, wo man regionale Gerichte kreativ aufpeppt. Unterkünfte findet man vorab im Internet, vor Ort bieten viele Privatpersonen Gästezimmer an.

Anforderungen



Der 5 Kilometer lange Rundwanderweg über Lehde ist nicht sehr anspruchsvoll, da es keine Höhen und Tiefen gibt. Wer es ambitionierter angehen möchte, kann auf den 
Wanderweg nach Leipe (ca.12 Kilometer) abbiegen, sich  auf den Weg zur Wotschofska machen (direkt von Lübbenau nach Wotschofska ca. 4 Kilometer), den 50 Kilometer langen Europawanderweg über
 Burg und Leipe wählen oder die 35 Kilometer lange Strecke nach Lübben zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen.

Links

www.spreewald-lehde.de
www.luebbenau-spreewald.com
www.spreewald-info.de
www.gasthaus-wotschofska.de
www.spreewald-unterkuenfte.de

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