Norwegen: Wanderung auf den Møysalen

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Norwegen: Das ist ja der Gipfel!

Der Møysalen bildet buchstäblich den Höhepunkt einer Vesterålen-Reise

Die Wanderung auf den Møysalen gilt wegen ihres landschaftlichen Abwechslungsreichtums und des fantastischen Panoramas als bestes Naturerlebnis Norwegens. Das Besondere an diesem Abschnitt der nordnorwegischen Küste ist die eindrucksvolle Kombination von Meer und Bergen. Unmittelbar erheben sich aus dem Nordatlantik spitze Fels-Dreiecke mit steilen Flanken und gezackten Gipfeln. In Ketten hintereinander gestaffelt wirken sie wie Zahnreihen im Haifischmaul. Die hinteren im Süden, hellgrau im Dunst verschwimmend, gehören schon zu Lofoten. 

Der Møysalen liegt auf Hinnøya, der größten Insel von Vesterålen. Mit 1262 Metern überragt der „Jungfernsattel“, wie sein Name übersetzt heißt, alle anderen Berge. Wer ihn besteigen will, muss trittsicher und schwindelfrei sein und sollte gute Kondition mitbringen. Denn der Aufstieg beginnt auf Meeresspiegelniveau und gilt selbst unter Norwegern als so anspruchsvoll, dass dringend empfohlen wird, sich der Führung eines erfahrenen Guides anzuvertrauen. 

Karlot erklimmt den Møysalen heute zum 126. Mal. Der 64-jährige ist klein, hager und derart durchtrainiert, dass seine Stirn auch beim steilsten Hang nicht feucht wird. Selbst die Bergerfahrensten unter uns sind nach sechsstündigem Gipfelsturm schweißgebadet und ziemlich erschöpft. Dabei hat alles so geruhsam begonnen. Im Møysalen Nationalparkzentrum im kleinen Weiler Hennes hat uns Karlot anhand eines Landschafts-Modells die bevorstehende Tour erläutert. Dann sind wir per Boot eine halbe Stunde lang zum Ausgangspunkt am Fjordufer gefahren und anschließend für mehr als eine Stunde auf einem ehemaligen Bahndamm marschiert. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte eine deutsche Firma am Fuß des Møysalen Eisenerz abgebaut und in Loren zum Meer transportiert. 

Der sanft ansteigende Weg führt durch Wiesen und lichte Birkenwälder, Wasseramseln tauchen im rauschenden Bach. Nach acht Kilometern und nur 100 Höhenmetern enden die liebliche Idylle und der gemütliche Teil der Tour abrupt. Der Aufstieg an der steilen Bergflanke beginnt und wird auf 600 Metern Höhe nur kurz auf einer flachen Schulter unterbrochen. Es folgt ein Abstieg zum tosenden Gletscherbach, gespeist vom kläglichen Rest eines rasant schmelzenden Gletschers. Dann geht es über eine erdige Seitenmoräne, steinerne Geröllhalden, über nackte Felswände und ein Schneefeld, das in Seilschaft überquert wird, bis zum Gipfel. 

Vielerorts ist ein Fortkommen nur auf allen Vieren möglich, Steine und lockeres Erdreich kullern unter den Füßen abwärts. „Jetzt den Tausendfüßler machen“, kommandiert Karlot an solchen Stellen. Um die Steinschlaggefahr zu minimieren, soll möglichst dicht hintereinander gekraxelt werden. Steigeisen braucht man keine, denn an den steilsten Stellen sind Eisenketten als Kletterhilfe angebracht. Anstatt Wandern ist zumindest streckenweise Bergsteigen gefordert. Für Menschen mit Höhenangst ist das nichts. Lohn der Mühe sind großartige Eindrücke: Man beobachtet den Segelflug der Adler, lauscht dem Rufen der Kolkraben und bewundert die zarten Blumen, die auf kärgstem Grund dem harten Klima trotzen. Vom höchsten Punkt aus wirken Brücken, die sich Kilometerlang über die Fjorde von Insel zu Insel spannen, kurz wie Streichhölzer. Und ein Postschiff der Hurtigruten scheint die Größe einer Ameise zu haben. 

Als wir nach anstrengendem Abstieg elfeinhalb Stunden nach unserem Start am steinigen Fjordufer wieder auf den einsamen Anleger zustolpern, bricht schon die Dunkelheit herein. Doch diese Wanderung wird uns in leuchtender Erinnerung bleiben.

Møysalen Info

Website: moeysalen.no

Anreise: Im Auto kommt man durch Norwegen über die E6 und über die E10 durch Schweden nach Vesterålen. Mit dem Flugzeug von Oslo nach Harstad/Narvik (Evenes) und weiter mit dem Shuttlebus nach Sortland (Vesterålen). Schiffe der Hurtigruten machen in drei Häfen der Vesterålen fest.

Höhe: 1.262 m

Schwierigkeit: Um den Møysalen zu besteigen, sollte man körperlich fit und gut ausgerüstet sein. Es werden im Sommer geführte Touren (Start Nationalpark-Zentrum) angeboten, die für Touristen sicherlich zu empfehlen sind.

Text und Bilder: Martina Berliner, freie Journalistin

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